Wie viele Stunden hat die Baustelle wirklich gekostet? Passt das Kundenprojekt noch ins Budget? Projektzeiterfassung beantwortet das - wenn die Zuordnung beim Stempeln passiert statt abends aus dem Gedächtnis. Was gute Projektzeiterfassung ausmacht, der Ablauf in vier Schritten, und wo Excel scheitert.
Die gesetzliche Arbeitszeiterfassung beantwortet die Frage wie lange jemand gearbeitet hat. Die Projektzeiterfassung beantwortet die Frage wofür. Erst mit dieser zweiten Information wird aus einem Stundenkonto eine Zahl, mit der ihr rechnen könnt. Drei Gründe, warum sich das lohnt:
Dazu kommt ein vierter Grund, der oft unterschätzt wird: Wer die eigene Zeit Projekten zuordnet, sieht selbst, wo sie versickert. Die Stunde Kleinkram zwischen zwei Aufträgen taucht auf einmal in der Auswertung auf, statt in niemandes Rechnung.
Viele Betriebe erfassen Projektzeiten längst - abends, auf Papier oder in einer Excel-Tabelle. Das Problem ist nicht die Tabelle, sondern der Zeitpunkt. Wer um 17 Uhr rekonstruiert, was er seit 7 Uhr gemacht hat, rundet auf volle Stunden, vergisst den Zwischenstopp beim zweiten Kunden und verteilt den Rest nach Gefühl. Die Zahlen sehen ordentlich aus und sind trotzdem falsch. Eine gute Projektzeiterfassung erkennt man an vier Merkmalen:
Die Begriffe werden oft durcheinander verwendet, meinen aber Unterschiedliches:
Für die Zeiterfassung ist der Unterschied zweitrangig. Entscheidend ist, dass ihr eine Liste habt, aus der beim Stempeln gewählt wird - ob ihr sie Projekte, Kostenstellen oder Aufträge nennt. Wer beides braucht, legt Kostenstellen als dauerhafte Einträge an und Projekte als befristete.
Jedes Projekt bekommt eine Nummer, einen Namen, den Kunden und - wenn vorhanden - ein Stundenbudget. Die Nummer sollte die gleiche sein wie im Angebot oder in der Buchhaltung, damit die Auswertung später ohne Umschlüsseln zur Rechnung passt. Abgeschlossene Projekte werden beendet, damit sie beim Stempeln nicht mehr auftauchen; die Liste bleibt kurz.
Wer den Dienst beginnt, tippt neben dem Arbeitsort das Projekt an. Das funktioniert am eigenen Handy genauso wie am gemeinsamen Kiosk-Tablet in der Werkstatt oder am Objekteingang: PIN eingeben, Projekt antippen, eingestempelt. Ob die Projektwahl Pflicht ist oder freiwillig, entscheidet ihr - im Handwerk mit reiner Auftragsarbeit ist die Pflicht sinnvoll, im Büro mit viel internem Anteil eher nicht.
Geht es mittags zum nächsten Kunden, wird das Projekt gewechselt. Der bisherige Abschnitt endet, ein neuer beginnt - ohne auszustempeln, ohne Pause zu erzeugen. Am Abend besteht der Tag aus zwei oder drei sauberen Abschnitten mit jeweils einem Projekt. Wer etwas vergessen hat, ordnet den Abschnitt nachträglich per Zeitkorrektur zu.
Die Auswertung Projektzeiten zeigt je Projekt die Summe und darunter die Stunden je Person, dazu einen Balken, wie viel vom Budget verbraucht ist. Für die Rechnung oder die Nachkalkulation geht das Ganze als Excel raus - je Projekt, je Zeitraum, mit Datum und Person. Damit ist die Projektzeiterfassung als Excel-Alternative genau umgekehrt gebaut: Excel ist das Ergebnis, nicht das Werkzeug.
Auftragszeiterfassung im Handwerk und auf dem Bau: Die Kolonne stempelt morgens am Handy auf Baustelle Nord ein, mittags wechseln zwei Leute zum Kundendienst nach Pasing. Der Polier sieht am Abend die Stunden je Baustelle, das Büro hat am Monatsende die Grundlage für die Rechnung nach Aufwand und die Nachkalkulation des Angebots. Baustellen-Zeiterfassung heißt hier: Projekt und Arbeitsort sind oft dasselbe, und die Stundenübersicht je Baustelle geht als Nachweis an den Auftraggeber.
Kundenprojekte in Agentur und Büro: Hier zählt der Wechsel im Tag. Eine Stunde Kunde A, dann ein Meeting für Kunde B, danach interne Verwaltung. Wer das abends in einen Stundenzettel schreibt, verliert die Hälfte. Beim Wechsel im Dienst bleibt jede Stunde dort, wo sie war - und das Budget je Kundenprojekt zeigt rechtzeitig, wann nachverhandelt werden muss.
Objekte als Kostenstellen in der Dienstleistung: Gebäudereinigung, Sicherheitsdienst, Facility-Services rechnen je Objekt ab. Jedes Objekt ist eine Kostenstelle, jede Stempelung trägt sie. Die Objektleitung sieht die Stunden ihres Objekts, die Geschäftsführung alle - und wenn ein Objekt regelmäßig über dem kalkulierten Aufwand liegt, fällt das im Monat auf, nicht erst bei der Jahresbilanz.
Die Arbeitszeiterfassung ist seit dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom September 2022 und dem EuGH-Urteil von 2019 Pflicht: Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit müssen für alle Beschäftigten erfasst werden. Die Projektzuordnung ändert daran nichts - sie ergänzt die Pflichterfassung um die Information, wofür die Zeit verwendet wurde. Beide gehören in ein System: Wer Arbeitszeit gesetzeskonform erfasst und Projektzeiten daneben in einer zweiten Tabelle führt, hat am Monatsende zwei Stände, die nie zusammenpassen.
Beim Datenschutz gilt die Zweckbindung: Projektzeiten dürfen für Abrechnung, Kalkulation und Controlling verwendet werden, nicht für eine allgemeine Leistungsüberwachung. Wer nur erfasst, was für diese Zwecke nötig ist - Projekt, Dauer, Person - bleibt auf der sicheren Seite. In Betrieben mit Betriebsrat ist die Einführung mitbestimmungspflichtig nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG, wie jede technische Zeiterfassung. Mehr dazu im Beitrag Zeiterfassung & DSGVO.
Wir haben die Projektzuordnung direkt in die Stempelung eingebaut, nicht als eigenes Modul daneben. Konkret heißt das:
Und weil das alles Teil derselben Zeiterfassung ist, passen Arbeitszeitkonto, Lohnvorbereitung und Projektstunden immer zusammen. Eine Stempelung, zwei Antworten: wie lange und wofür.
Nein. Vorgeschrieben ist die Erfassung von Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit nach dem BAG-Urteil von 2022. Die Zuordnung zu Projekten oder Kostenstellen ist freiwillig und dient der Kalkulation und Abrechnung. Sinnvoll ist es, beides im selben System zu führen, damit die Summen zusammenpassen.
Eine Kostenstelle ist ein dauerhafter Bereich, in dem Kosten entstehen, etwa die Werkstatt oder ein Reinigungsobjekt. Ein Projekt hat Anfang, Ende und meist ein Budget. Für die Zeiterfassung ist der Unterschied zweitrangig: Beides ist ein Eintrag in der Liste, aus der beim Stempeln gewählt wird.
Durch einen Projektwechsel im laufenden Dienst. Der bisherige Abschnitt endet, ein neuer beginnt - ohne auszustempeln. Am Ende des Tages liegen zwei oder drei Abschnitte mit jeweils einem Projekt vor, die einzeln ausgewertet werden.
Ja. Wer das Projekt vergessen oder falsch gewählt hat, ordnet den Abschnitt per Zeitkorrektur nachträglich zu. Die Korrektur läuft als Antrag, den Vorgesetzte genehmigen - so bleibt nachvollziehbar, was geändert wurde.
Ja. Am gemeinsamen Tablet gibt der Mitarbeiter seine PIN ein, tippt das Projekt an und ist eingestempelt. Das eignet sich für Werkstatt, Lager oder Objekteingang, wo nicht jeder ein Diensthandy hat.
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